Montag, 16. Juli 2012

Früherer BDI-Chef Henkel sieht Versagen der Eliten beim Euro


Deutsche Mittelstands Nachrichten | 14.07.12, 00:27 | 49 Kommentare

Der ehemalige BDI-Präsident Henkel wettert in London gegen Deutschland: Nur durch ein dramatisches Ereignis seien die Deutschen zu bewegen, den Euro aufzugeben. Wer sich in Deutschland heute wie er gegen den Euro stelle, solle am besten um politisches Asyl in einem anderen Staat nachsuchen.

Empfehlen

Themen: City, Deutschland, Diamond, Euro, Europa, Fiskalpakt, Griechenland, Henkel, JP Morgan, Libor, London, Medien, Merkel, OMFIF, Open Europe, Persson, Schäuble, Tschechoslowakei, Vaclav Klaus

Hans-Olaf Henkel, ehemaliger IBM-Manager und ehemaliger Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) trat am Donnerstag bei einem Frühstück neben dem Big Ben in London auf. Gemeinsam mit Mats Persson, dem Direktor des in London ansässigen Think Tanks Open Europe, wurde über die Zukunft Deutschlands in der Eurozone diskutiert. Mitveranstalter der Diskussionsrunde war die Organisation für Vermögensverwalter, das Official Montary and Financial Institutions Forum (OMFIF).


Der ehemalige BDI-Präsident Hans Olaf Henkel glaubt, dass nur ein dramatisches Ereignis den Euro zu Fall bringen kann.

Henkel wollte nicht lange um den heißen Brei herumreden. Er atmete tief durch und bedankte sich bei Moderator David Marsh für die Einladung. Henkel sagte, seit dem Moment seiner Ankunft in London fühle er sich „verjüngt“ denn im Unterschied zu seiner Heimat Deutschland herrsche in London die Vernunft. Eine gewagte Behauptung, ist doch der Veranstaltungsort weniger als zwei Meilen von der Londoner „City“ entfernt. Diese ist im Moment allerdings weniger wegen ihrer Vernunft in den Schlagzeilen, sondern eher wegen ihrer aktive Mitwirkung an der globalen Finanzmalaise (Libor-Manipulationen – hier; der berüchtigte Wal von London – hier).

Henkel sagte, auch er sei einmal von dem Euro-Projekt überzeugt gewesen. Allerdings habe er seine Meinung geändert da er gemerkt habe, dass die Politiker ihre Versprechen nicht einhalten würden, eine übergreifende Währung für Europa praktisch nicht funktionieren würde und am Ende der Euro ein System der „Ansteckung“ geworden sei.

Angela Merkel habe einen gefährlichen Kurs eingeschlagen – einen, bei dem das Gemeinschaftsprojekt „Euro“ um jeden Preis gerettet werden müsse; zur Not eben auch auf die Kosten der deutschen Steuerzahler. Am 9. Mai 2010 habe die Bundeskanzlerin laut Henkel die Brandmauer, in der Form der No-Bailout-Klausel, einfach niedergerissen. Gleichzeitig wurden drei fundamentale Gesetzmäßigkeiten über Bord geworfen – das Subsidiaritätsprinzip, der Wettbewerb und die Schuldenhaftung. Von hier an ging es steil bergab. Die deutsche Exportwirtschaft, das Aushängeschild Deutschland, funktioniere nur deshalb so ausgezeichnet, weil die Südeuropäische Wirtschaft durch den deutschen Steuerzahler mittels Importen und Zinspolitik subventioniert werde. Henkel: „Das ist einfach absurd!“

Leider hätten die deutschen Eliten kollektiv versagt. Es habe sich eine „Vier-Augen-Gesellschaft“ entwickelt. Unter vier Augen, so Henkel, höre er viele Entscheidungsträger auch in Berlin die „harte Wahrheit“ aussprechen. Damit meint Henkel die fundamentalen Schwächen der Währungsunion: Transferunion von Nord nach Süd und kein Spielraum für Währungsabwertungen in strukturell ungleichen Volkswirtschaften. In der Öffentlichkeit aber, so Henkel, würden dieselben Entscheidungsträger dann ohne Ausnahme fordern, „der Euro muss gerettet werden“. Und behaupte man das Gegenteil, solle man sich am besten gleich um „politisches Asyl“ in einem Nachbarstaat bemühen.

Die deutsche Presse, so Henkel, schweige dazu konsequent. Wie „Sklaven“ wiederhole sie die Befehle der Regierung – „der Euro muss gerettet werden, wir brauchen mehr Zentralisierung“. Henkel nannte das Beispiel der zusätzlichen Sicherheiten, die Finnland als Sonderkonditionen für die Zustimmung zum griechischen Rettungspaket zugestanden wurden. Sollte Griechenland zahlungsunfähig werden, zahle die Zeche der deutsche Steuerzahler. Henkel sagte, er könne hier nur mutmaßen – Beweise habe er keine: Er glaube jedoch, Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sei bei den Verhandlungen über den finnischen Deal beteiligt, wenn nicht sogar federführend gewesen. Schäuble wolle den Euro um jeden Preis retten.

Mats Persson relativierte die harten Worte Henkels. Er sagte, die Situation sei komplizierter als mit dem bloßen Auge zu erkennen sei. Deutschland habe sich unter Aufsicht der Alliierten nach dem Zweiten Weltkrieg ein komplexe, demokratische Struktur gegeben – um ein für alle Mal den absoluten Aufstieg eines Diktators zu verhindern. Es sei unfair, nun von den Deutschen zu fordern, sie sollten doch bitte schneller entscheiden. Deutschland dominiere, entgegen einer verbreiteten populären Meinung, Europa nicht. Nach wie vor sei Deutschland gehemmt, träte vorsichtig auf und versuche zu vermeiden, sich in die Angelegenheiten anderer Staaten einzumischen. Darüber hinaus könne Deutschland den Euro wegen seiner eigenen Staatsschulden unmöglich im Alleingang retten.

Henkel vertrat die Auffassung, Europa brauche eine Nord- und eine Süd-Eurozone. Nur so könnten Länder wie Frankreich wieder wettbewerbsfähig werden. Diese Debatte ist nicht neu, eine politische Trennung von Deutschland und Frankreich ist in der politischen Realität jedoch nicht durchzusetzen. Henkel wurde gefragt, ob es nicht schwer sei aus einer Gemeinschaftswährung zwei Währungen zu machen. Nein, er habe gerade mit Vaclav Klaus gesprochen, dieser habe bei der Aufspaltung der Tschechoslowakei auch aus einer Währung zwei Währungen gemacht. Und schließlich sei es ja auch möglich gewesen, aus 17 unterschiedlichen Währungen den einen Euro zu machen.

Henkel wies darauf hin, die Krise habe sich über die letzten zehn Jahre angebahnt. Aus dem Publikum kam der Einwand, ob man nicht abwarten solle, ob der Euro nicht vielleicht doch funktioniert. Starke Bemühungen zur Behebung der Probleme seien ja bereits in die Wege geleitet worden, Sparkurse auferlegt, die Wettbewerbsfähigkeit verbessert. Henkel hält von einer solchen Strategie nichts. Der Fiskalpakt sei ja schon gebrochen worden, obwohl er noch nicht einmal in Kraft getreten ist. Überhaupt sei das jetzige System absolut unbefriedigend für alle.

Um endlich zu reagieren, brauche man nach Henkels Einschätzung eine Art „Fukushima für den Euro“ – ein Ereignis, das die Politik und die Presse wachrüttelt und sie endlich die richtigen Konsequenzen ziehen lässt, bevor der „Euro totgerettet“ sei. Henkel sagte, dass unter dem Eindruck der „German Angst“ Entscheidungen beschleunigt werden. Dies habe Bundeskanzlerin Angela Merkel unter Beweis gestellt, als sie innerhalb von Tagen, und ohne ihre Nachbarn zu befragen, im Alleingang die Entscheidung zum Ausstieg aus der Kernenergie getroffen habe. Henkel sarkastisch: „Es hätte ja ein Tsunami den Rhein herunterkommen können.“
Unser letztes Hemd fuer die 
EU

Hallo und willkommen zur Aktion www.meinletzteshemd.eu
Worum geht es? Auch wenn sich die Aktion als solche spaßig anhört, das ist sie nicht. Am 29.6.2012 (Start von meinletzteshemd.eu) hat der Bundestag mit der Abstimmung über den ESM einschneidende Konsequenzen für Sie, mich und jeden Steuerzahler abgesegnet. Wir wollen mit der Aktion, wenn sie groß genug wird, die Möglichkeit schaffen, die Schweigeblockade um dieses wichtige Thema zu durchbrechen und einen kleinen Baustein dafür leisten, daß die Medien über das uns ALLE angehende Thema umfassender berichten.
Wir haben auf dieser Seite ein kleines Anschreiben vorbereitet, welches Sie zusammen mit einem alten Kleidungsstück - Ihrem letzten Hemd - an die Bundeskanzlerin schicken sollen. Um die Aktion zu verbreiten, bietet sich Facebook an, da - wenn auch von Vielen oft zu Recht verpönt - dort die meiste Resonanz erzeugt werden kann und es sich am schnellsten herumspricht. Dafür besuchen Sie bitte unsere vorbereitete Facebook-Fanseite und laden auch Ihre Freunde dazu ein. Noch wichtiger und wirksamer ist es, an unserer eingerichteten Aktion teilzunehmen. Dort ist es sehr einfach, weitere Ihrer Facebook-Kontakte zu der Aktion einzuladen, einfach rechts oben auf "Freunde einladen" klicken. Das ist nur ein kleiner Schritt für Jeden von uns, aber wenn wir genug erreichen, können wir einen kleinen Baustein dazu beitragen, daß über solch einsschneidenden Maßnahmen überhaupt unterrichtet und aufgeklärt wird.
---
29.6.2012... Der Text des Anschreibens (nur Beispiel) im Wortlaut:
Sehr geehrte Frau Merkel,
seit einiger Zeit beobachte ich, dass Sie sich sehr für die europäische Solidarität einsetzen
und selbstlos die Steuergelder der Bundesbürger in ganz Europa verteilen, damit
eine solidarische Ausgewogenheit herrscht.
Erst am 29.06. vernahm ich in den Medien, dass es Ihnen nach zähem Verhandlungsringen
mit der Europäischen Kommission gelang, weitere Steuergelder jetzt nach Spanien und
Italien überweisen zu dürfen. Erfreulich für mich und meine Bekannten war dabei
zu hören, dass es gelang, bürokratische Hürden und damit Kosten abzubauen und
es den Banken zu ermöglichen, Hilfsgelder unkomplizierter anzufordern.
Mit diesem Schreiben sende ich Ihnen das, was Sie sich offensichtlich am
sehnlichsten wünschen:
MEIN LETZTES HEMD.
Ich bin mir sicher, Ihnen damit eine sehr große Freude zu bereiten, und verbleibe
mit aufrichtig untertänigstem Gruß,

Ihr steuerzahlender Bundesbürger

Freitag, 6. Juli 2012

ACTA ist ad acta: Piratenpartei Hamburg begrüßt Entscheidung des Europäischen Parlaments gegen ACTA


(BPP) Heute Mittag hat das Plenum des Europäischen Parlaments in Brüssel gegen die Unterzeichnung des Anti-Produktpiraterie-Abkommens ACTA gestimmt. Damit folgt das Parlament den Ausschuss-Empfehlungen und gibt dem Widerstand mit monatelangen europaweiten Protesten nach. Nach Einschätzungen der Piratenpartei Hamburg gefährdet das Abkommen mehrere Menschenrechte, unter anderem die Informations- und Meinungsfreiheit und das Recht auf Zugang zu lebenswichtigen Medikamenten. Erst Ende Juni hatte sich der federführende Handelsausschuss (INTA) des Europäischen Parlaments gegen das Abkommen zu entschieden.

Die Vorstandsvorsitzende des Hamburger Landesverbands der Piratenpartei Anne Alter ist erleichtert: „ACTA ist ein Symbol für Intransparenz geworden. Dass Brüssel sich nun dagegen entscheidet, den Interessen von Lobbyisten zu folgen, ist ein guter Tag für die Demokratie und die Verteidigung unserer Grundrechte im Internet. Anstelle von Abkommen wie ACTA, die überholte Geschäftsmodelle schützen und das nicht mehr zeitgemäße Urheberrecht in seiner jetzigen Form zementieren, fordern wir dringend eine Reform des Marken-, Produkt- und Urheberrechts.“

Neben der in dem Abkommen angestrebten verschärften Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen im Internet stand vor allem der geplante Umgang mit Generika und Saatgut im Fokus der Kritik an ACTA. Nach den neuen Richtlinien des Abkommens wären insbesondere Entwicklungs- und Schwellenländer stark benachteiligt.

Bereits im Februar und Juni haben in ganz Europa zahlreiche Demonstrationen gegen ACTA stattgefunden. Allein in Deutschland gingen mehr als 100.000 Menschen auf die Straße. Eine Petition gegen ACTA erreichte den Petitionsausschuss des Europaparlaments mit über zwei Millionen Unterschriften. Im Mai stimmten der Ausschuss für Industrie und Forschung, der Rechtsausschuss und der Ausschuss für bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres ab, gegen ACTA zu votieren.

Über ACTA:
ACTA heißt ausgeschrieben „Anti-Counterfeiting Trade Agreement”, was man auf Deutsch als ein “Handelsabkommen gegen Produktfälschung” übersetzen kann. Es steht sowohl wegen seines weitgehend intransparenten Aushandlungsprozesses als auch wegen Teilen seines Inhalts in der Kritik. So begünstigt das geplante Abkommen Strafverschärfungen bei Urheberrechtsverletzungen im Internet und Rechtsunsicherheit für die von Sanktionen Betroffenen sowie für die Einschränkung von Informationsfreiheit im Internet. Außerdem ist der Zugang zu Medizin und Saatgut in Entwicklungs- und Schwellenländern massiv gefährdet. Das Abkommen wird auf Initiative der USA und Japan bereits seit 2008 verhandelt und gelangte durch die Zustimmung der Ratspräsidentschaft der EU in die Öffentlichkeit.

Über das „Hamburger Bündnis gegen ACTA“:
Das im Februar 2012 gegründete Bündnis “Hamburg gegen ACTA” besteht aus folgenden Bündnispartnern:

* CCC Hansestadt Hamburg e.V.
* Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung Hamburg
* Piratenpartei Landesverband Hamburg
* Bündnis 90/ Die Grünen Hamburg
* Die Linke Hamburg
* Grüne Jugend Hamburg
* Junge Piraten Hamburg
* Hochschulgruppe pirat*innen und offene Liste Uni Hamburg
* Attraktor e.V.
* Digitale Gesellschaft e.V.
* Anonymous Hamburg

Quelle: piratenpartei-hamburg.de
Bild-Quelle: piratenpartei.de / Piratenpartei / Olaf Haensel

Donnerstag, 5. Juli 2012

Ein Pirat zieht sich zurück - Ich gehe: Mein Rücktritt vom Amt


http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/ein-pirat-zieht-sich-zurueck-ich-gehe-mein-ruecktritt-vom-amt-11809930.html?selectedTab=images&offset=0

© REUTERSJohannes Ponader gibt auf: Am 17. Mai demonstrierte er noch vor dem Frankfurter Römer
Mein Name ist Johannes Ponader. Ich bin von Beruf Autor, Regisseur, Schauspieler, Theaterpädagoge. Ich bin seit 2010 Mitglied der Piratenpartei. Am 29. April 2012 werde ich zum ihrem politischen Geschäftsführer gewählt. Am 6. Mai ziehen wir in den schleswig-holsteinischen Landtag ein. Am selben Abend sitze ich bei Günther Jauch in der Sendung.
Es geht um den Erfolg der Piraten, und es geht um meine Person. Günther Jauch fragt mich: „Sie bekommen Hartz IV.“ Ich bestätige das, sage: „Ja, ich beziehe auch Sozialleistungen.“ Jauch insistiert: „Also Hartz IV.“ „Ja, ich beziehe Sozialleistungen.“ - „Hartz IV.“ - „Man nennt es ArbeitslosengeldII.“ Jauch: „Also bekommen Sie HartzIV.“
Punkt. Der politische Geschäftsführer der Piratenpartei ist ein Hartz-IV-Empfänger. Am 9. Mai erhalte ich einen Brief von meinem Jobcenter, dass meine Zahlungen eingestellt werden. Grund: „Politischer Geschäftsführer der Piratenpartei“. Ein Ehrenamt als Grund, meinen Anspruch auf Sozialleistungen abzuerkennen. Mehr steht dort nicht. Keine Vermutung, ich würde nun ausreichend Einkünfte erzielen. Keine Fragen. Lediglich die Möglichkeit zu widersprechen. Das Schreiben wird später für hinfällig erklärt.

Ein Anruf von Heinrich Alt

Später wird man mir auch unterstellen, ich hätte mich bei Jauch geziert, meinen ALG-II-Bezug zuzugeben. Aber Jauch musste aus einem ganz anderen Grund dreimal nachfragen: Ich lehne den Begriff „Hartz IV“ ab und weigere mich, für ein Arbeitslosengeld, das der Existenzsicherung dient, diesen Namen zu benutzen. Peter Hartz, der Namensgeber, ist wegen Untreue in 44 Fällen vorbestraft. Im Namen „Hartz“ schwingt der Verdacht mit, dass da irgendjemand andere hintergeht. Doch wer hintergeht wen? Bei Peter Hartz betrug die veruntreute Summe 2,6 Millionen Euro. Davon könnte man einem Menschen 6948 Monate lang den aktuellen ALG-II-Regelsatz bezahlen, das sind 579 Jahre, oder drei Menschen lebenslang ein Grundeinkommen von knapp 1000 Euro.
Wenige Tage nach der Sendung erhält Bernd Schlömer, Parteivorsitzender der Piraten, einen Anruf von Heinrich Alt, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit. Er fragt, warum die Partei mich nicht bezahlen könne, deutet an, dass das Jobcenter mich härter anpacken müsse, wenn öffentlicher Druck entsteht. Er spricht von Eingliederungsmaßnahmen und Sanktionen. Später, als Journalisten nachfragen, wird Alt leugnen, dass ich der Grund für diesen Anruf war, und statt dessen ein generelles Interesse an der Piratenpartei als Grund angeben.
Wieso bricht ein Vorstandsmitglied der Agentur für Arbeit das Sozialgeheimnis? Wieso ruft er nicht bei mir selbst an? In was für einem Land leben wir, wenn Entscheidungen einer Sozialbehörde von öffentlichem Druck abhängig gemacht werden? Ich will von Bernd Schlömer wissen, was in dem Gespräch genau gesprochen wurde. Bernd kann mich im Groben informieren. Doch Alt hat sich sicherlich exaktere Notizen gemacht. Also rufe ich in Nürnberg an. In der Vermittlung werde ich angeschnauzt, ob ich mich beschweren wolle? Nein, ich möchte zu Herrn Alt durchgestellt werden. Noch mitten im Satz finde ich mich in der Warteschleife. Heraus komme ich in der Beschwerdestelle. Worüber ich mich beschweren wolle, fragt mich das freundliche Gegenüber. Über nichts, ich wollte ins Vorzimmer von Herrn Alt. Da sei ich falsch, und leider könne er mich nicht weiterstellen.

Wenn der Prüfdienst klingelt und man seine Rechte kennt

Bei meinem zweiten Anruf melde ich mich als politischer Geschäftsführer der Piratenpartei. Prompt werde ich durchgestellt. Herr Alt jedoch ist nicht zu sprechen. Ich bitte um Rückruf. Der kommt auch nach Tagen nicht. Statt dessen meldet sich einige Zeit später der Leiter meines Jobcenters. Er sagt mir, Herr Alt habe ihn gebeten, sich bei mir zu melden. Vom Inhalt des Gesprächs kann er mir jedoch nicht viel sagen, Herr Alt habe mit ihm nicht persönlich gesprochen.
Mittlerweile bin ich in München, arbeite für eines meiner beruflichen Projekte. Der Spiegel wird später schreiben, dass ich in diesen Tagen „ausnahmsweise“ mein Geld selbst verdiene. Ausnahmsweise, das ist in den letzten zweieinhalb Jahren zwei Drittel der Zeit. In diesem Zeitraum habe ich zwanzig Monate lang Geld verdient, Steuern bezahlt, und den Rest der Zeit Arbeitslosengeld bezogen.
Der Spiegel wird später in einer Pressemitteilung suggerieren, ich hätte Honorare nicht angeben wollen, sei darüber vom Jobcenter abgemahnt worden. Im Medienhinweis schwebt der Vorwurf noch subtil zwischen den Zeilen. Die Springerpresse titelt: „Hartz-IV-Pirat erschlich sich Stütze“. Erst nach einer Klarstellung durch mich ändert sich die Überschrift. Hunderte von Tageszeitungen drucken die Meldung unkritisch nach, nur wenige Journalisten hinterfragen sie.

Ohne die obligatorische Belehrung

Zwei mal war der Prüfdienst der Bundesagentur schon bei mir. Beide Male wurden meine Grundrechte mit Füßen getreten. Eine Prüfung durch den Außendienst darf nur erfolgen, wenn es einen Anfangsverdacht auf Leistungsmissbrauch gibt, und auch dann nur, wenn andere Maßnahmen nicht ausreichen. In meinem Mietvertrag steht eine falsche Angabe bezüglich meiner Warmwasserversorgung. Ich stehe im Verdacht, 8 Euro monatlich zu Unrecht zu beziehen. Eine einfache Nachfrage bei mir und eine Bestätigung des Vermieters könnte den Fehler aufklären. Statt dessen steht der Prüfdienst vor der Tür.
Ich frage nach dem Grund. Mir wird der Boiler genannt. Tatsächlich soll der Prüfdienst auch die Zahnbürsten zählen, feststellen, ob ich tatsächlich alleine in der Wohnung wohne - das geht aus dem schriftlichen Prüfauftrag hervor, den ich mir zeigen lasse. Die Prüfer lügen mich also an. Auch sonst wirkt es, als hätten die Prüfer die entsprechende Durchführungsanordnung der Bundesagentur noch nie zu Gesicht bekommen. Sie „vergessen“ die obligatorische Belehrung über meine Rechte, bevor sie die Wohnung betreten. Einem gemeinsamen Protokoll - worauf ich einen Anspruch habe - stimmen sie erst zu, weil ich ihnen andernfalls den Zugang zur Wohnung verwehre. Ich habe umgehend Antrag auf Akteneinsicht gestellt, um das tatsächliche Protokoll zu Gesicht zu bekommen. Der Antrag wurde bis heute nicht bearbeitet.

Welche Arbeit ist Prostituierten zumutbar und wie viel davon?

Dass die Jobcenter sich nicht an die Vorschriften halten, die für ihren Bereich gelten, ist an der Tagesordnung. Die Mitarbeiter sind oftmals auf Grund der vielen Änderungen überfordert. Zudem werden sie unter enormen Druck gesetzt. Morgens müssen sie sich erst Videobotschaften aus Nürnberg ansehen, bevor sie sich in ihre Rechner einloggen können - ein Abbruch oder Vorspulen ist nicht möglich. Wer die Quoten nicht erfüllt, fliegt raus, und kann sich ein halbes Jahr später auf der anderen Seite des Schreibtisches wiederfinden. Die Sozialgerichte platzen vor Klagen, die Wartezeiten auf Gerichtstermine sind lang. Gut die Hälfte der Klagen ist erfolgreich. Es handelt sich also beileibe nicht um Querulanten, sondern um Menschen, die für ihre Rechte einstehen.
Die Jobcenter teilen ihre Kunden in mehrere Kohorten ein: arbeitsmarktnah, arbeitsmarktfern, nicht vermittelbar. Doch es gibt auch eine inoffizielle Kategorie: Kunden, die ihre Rechte kennen. Sie kommen oft zu zweit aufs Amt, begleiten sich gegenseitig. Insider berichten, das seien etwa zwei Prozent der Kunden. „Wären es fünf bis zehn Prozent“, so ein Insider, „könnten wir einpacken“.

Freiwild für das Jobcenter

Die Mitarbeiter sollen unterstützen und gleichzeitig entscheiden sie über die weitere Förderung eines Kunden. Selten sind sie Kenner der Branchen, bis heute sind die Jobcenter organisiert wie Einwohnermeldeämter: Die Kunden werden nach Alphabet zugeteilt. Je spezifischer das Berufsfeld, um so weniger können die Mitarbeiter kompetente Unterstützung anbieten. Warum nicht ein Mitarbeiter die Selbständigen betreut, einer die Künstler, einer die Handwerker - man weiß es nicht.
Grundsätzlich ist jede Arbeit zumutbar. Wenn mich ein rechtsextremistisches Magazin auffordert, dort einen Artikel zu veröffentlichen, muss ich das theoretisch annehmen. Am krudesten zeigt sich die Logik im Umgang mit Prostituierten. Die entsprechende Anordnung legt fest, dass Prostituierte nicht zur Ausübung der Prostitution gezwungen werden dürfen, wenn sie der Prostitution grundsätzlich nicht mehr nachgehen wollen. Im Umkehrschluss heißt das: Möchte jemand der Prostitution zeitweise selbstbestimmt nachgehen, wird er für das Jobcenter zum Freiwild, es sei denn, er begeht Sozialbetrug.

Kein Anlass zur Sanktionierung

Bei meinem letzten Gespräch im Jobcenter lege ich meine Einnahmen des letzten Monats vor. Gut 1800 Euro habe ich verdient, genug, um mit den Leistungen mehr als einen Monat auszusetzen. Mein Arbeitsvermittler ist völlig überfordert, sich auf die neue Situation einzulassen. Man hat jetzt einen detaillierten Integrationsplan für mich ausgearbeitet; das lese ich zumindest in der Presse. Während mein persönlicher Ansprechpartner rechtswidrig sein Programm durchzieht und meine alte Eingliederungsvereinbarung einseitig und vorzeitig außer Kraft setzen will, plaudert die Sprecherin der Arbeitsagentur öffentlich über meinen Fall, ohne dass ich sie je vom Sozialgeheimnis entbunden hätte.
Es habe bislang keinen Anlass gegeben, mich zu sanktionieren, sagt sie der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. Wo kommen wir hin, wenn jeder Journalist in Nürnberg nachfragen kann, ob ein Kunde der Arbeitsagentur schon einmal sanktioniert wurde oder nicht?
So wie es aussieht, werde ich in Kürze genug Einkommen haben, um vom Jobcenter unabhängig zu sein. Bis dahin wollen mich Freunde unterstützen. Nun ist ein Sprung ins Ungewisse angesagt, wie ihn viele gehen, die die Gängelung durch die Jobcenter nicht mehr ertragen und freiwillig auf Sozialleistungen verzichten. Ich verlasse das Amt, um frei zu sein. Das Arbeitsamt. Nicht mein Amt als politischer Geschäftsführer.

Mittwoch, 4. Juli 2012

Zu unseren "Freunden", den Amerikanern

Lang, lang, lang ist es her, dass diese Videos in den Medien erschienen sind. Und dem u. stehendem Mann haben wir diese Wahrheiten zu verdanken. Egal was passiert, ich wünsche Julian Assange Gerechtigkeit und dass das Terrornetzwerk USA mit ihren falschen Forderungen und Verleumdungen nicht durchkommt.
marcus regenberg



Norwegen, März 2010

Julian Assanges Eltern betrieben einen Wanderzirkus. Er verbrachte seine Kindheit in der Nähe des australischen Ortes Byron Bay, einem Zentrum für alternative Künstler. Später zog die Familie auf die Insel Magnetic Island bei Townsville.[8] Nach der Trennung seiner Eltern wuchs Assange bei seiner Mutter auf, die 1979 einen Musiker heiratete. Aus dieser Ehe ging Assanges Halbbruder hervor. Nach der erneuten Trennung wechselte Assanges Mutter, da sie filmschaffend tätig war und sich zeitweise auf der Flucht vor einer Sekte und ihrem zweiten Mann befand,[9] mit beiden Kindern häufiger den Wohnort, wodurch diese zu häufigen Schulwechseln und zwischenzeitlichem Hausunterricht gezwungen waren.

Später studierte Assange Physik und Mathematik an der University of Melbourne,[1] ohne jedoch einen Abschluss zu erlangen.[10] Als die mathematische Fakultät seiner Universität im Rahmen eines Vertrages mit der US-Armee Studien erstellte, die das Verhalten von militärisch eingesetzten Truppentransportern und Bulldozern verbessern sollten, exmatrikulierte sich Assange aus Protest gegen das, was er „die Optimierung einer Killer-Maschine“ nannte.[11]

Erste Programmiererfahrungen sammelte Assange auf einem C64, 1987 beschaffte er sich ein Modem.[8] Unter dem Pseudonym„Mendax“ (Lateinisch für "Lügner") begann er erste Aktivitäten als Hacker. Er und zwei weitere Hacker schlossen sich zusammen und gründeten eine Gruppe namens „International Subversives“. Aufgrund dieser Aktivitäten führte die „Australian Federal Police“ 1991 in seinem Haus in Melbourne eine Razzia durch. 1992 wurde Julian Assange in 24 Fällen des illegalen „Hackens“ für schuldig befunden, weshalb er ein Bußgeld in Höhe von 2100 australischen Dollar bezahlen musste und eine Bewährungsstrafe erhielt.[12] 1995 schrieb Assange den ersten freien Portscanner namens Strobe.[13] Er beschäftigte sich auch mit Verschlüsselungssoftware und erfand 1997 das Dateisystem Rubberhose, das einen glaubhaft abstreitbaren Verschlüsselungsmechanismus darstellt.[14]

Während seiner Zeit als Hacker lernte er seine spätere Frau kennen. 1989 zogen beide zusammen, ein gemeinsamer Sohn wurde geboren. 1991 trennte sich das Paar. 1999, nach einem jahrelangen Rechtsstreit, einigten sich Assange und seine Mutter Christine mit der Kindesmutter auf ein gemeinsames Sorgerecht.[8]

Seit 2006 ist er für WikiLeaks aktiv. Nach eigener Aussage hat er „im Internet Geld verdient“ und konnte somit unbezahlt für WikiLeaks arbeiten.[5] Infolge seiner Arbeit für WikiLeaks wurde er mehrmals verhaftet, abgehört, zensiert und auch verklagt, allerdings erfolglos.[15]

Assange kündigte seinem bis dahin engsten Vertrauten Daniel Domscheit-Berg im August 2010 in einem Chat. Domscheit-Berg hatte zunehmend Kritik an der Arbeitsweise von WikiLeaks geäußert: er wollte feste Strukturen, ein Büro, bezahlte Angestellte. Und er wollte über diese Dinge offen
 diskutieren. Später verarbeitete er seine Kritik in einem Buch.[16]












Merkel ohne Kanzlermehrheit bei ESM: Gefahr einer Regierungskrise


Deutsche Mittelstands Nachrichten | 01.07.12, 02:22 | 137 Kommentare

Der ESM erreichte im Bundestag dank SPD und Grünen zwar die Zwei-Drittel-Mehrheit. Angela Merkel schaffte es jedoch nicht, die Mehrheit der Abgeordneten von Union und FDP zu überzeugen. Normalerweise spricht man in solch einem Fall von einer Regierungskrise.


Mit nur 300 Ja-Stimmen aus den eigenen Reihen verfehlte Bundeskanzlerin Angela Merkel die sogenannte Kanzlermehrheit in der ESM-Abstimmung um 11 Stimmen. Beim Vorgängermodell EFSF hatte Merkel die Kanzlermehrheit noch geschafft. Das Ergebnis vom Freitag kann man mit Fug und Recht als schwelende Regierungskrise bezeichnen. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, streute denn auch gleich Salz in die Wunden der Koalition und sagte, diese sei „europapolitisch nicht mehr eigenständig handlungsfähig“.


Der Verlust der Kanzlermehrheit ging im allgemeinen Trubel über die Abstimmung etwas unter (Ergebnis hier). Er dürfte jedoch weitreichende Konsequenzen haben – sowohl für innenpolitische Arbeit in Berlin als auch für die Verhandlungen innerhalb der EU, wenn es um die konkrete Ausgestaltung des ESM und der Schulden-Union geht.

Bundeskanzlerin ohne Kanzlermehrheit: Steht Angela Merkel bald mit leeren Händen da?

Innenpolitisch droht der bürgerlichen Koalition ein Zerfallsprozess. Schon bisher lagen vor allem die CDU und die CSU im Dauerclinch. In Bayern schlägt der das Herz der deutschen Wirtschaft. Das bisherige Grummeln über den innerdeutschen Finanzausgleich war vermutlich nur ein Vorgeschmack. Die Tatsache, dass es in Bayern mit den Freien Wählern eine vergleichsweise ernstzunehmende Partei von Euroskeptikern gibt, wird den Druck auf die CSU erhöhen. Die Seehofer-Partei wird es sich nicht leisten können, den Freien Wählern die Gegnerschaft zur Schuldenunion exklusiv zu überlassen. Es ist zu erwarten, dass aus München verstärkte Kommentare und, falls nötig, konkreter Widerspruch gegen die Vergemeinschaftung der Schulden in Europa kommt.

Ähnlich wird es der CDU gehen. Schon heute ist die kleine Gruppe der ESM-Gegner in der Union hochgradig frustriert. Die Herablassung, mit der etwa Wolfgang Bosbach von Kanzleramtsminister Profalla wegen seiner ESM-Kritik behandelt wurde, hat tiefe Spuren in der CDU hinterlassen. Noch ballen die Rebellen die Faust in der Tasche und wagen den offenen Bruch noch nicht. Das kann sich aber bei Fortdauern der Euro-Krise fundamental ändern. Möglicherweise ist eine Abspaltung noch keine Option für die Rebellen. Auf Dauer gängeln werden sie sich auch nicht lassen, wenn sie nicht komplett ihr Gesicht verlieren wollen.

Die FDP ist ohnehin schon tief gespalten. So klein die Partei bei Umfragen auch ist, für Flügelkämpfe reicht es allemal. Die Politiker der FDP wird in den kommenden Monaten noch mehr in Richtung Klientel-Politik gehen: Jeder Flügel wird versuchen, es seinen Anhängern recht zu machen.

Damit könnte Merkel in eine schwierige Lage geraten. Die Franzosen haben nach dem Gipfel bereits betont, dass es beim ESM kein Einstimmigkeits-Prinzip mehr geben werde. Damit können die deutschen Steuergelder auch ohne Mitwirkung der deutschen Vertreter in Europa verteilt werden. Merkel hat am Freitag fälschlicherweise gesagt, dass Deutschland stets ein Veto haben werde. Das stimmt so nicht, weil der ESM für den Fall einer Krise mit einer Mehrheit von 85% der Stimmen im Direktorium Gelder zuteilen kann. Ob eine Krise auch dann vorliegt, wenn ein spanischer, französischer oder italienischer Regierungschef wiedergewählt werden will, ist im ESM-Vertrag nicht festgelegt (als erster hat der französische Präsident Hollande dieses Thema aufgeworfen – möglicherweise im Hinblick auf die französischen Banken – hier).

Damit ist Merkels Verhandlungsposition deutlich geschwächt. Die Kanzlerin dürfte das wissen. Und möglicherweise dämmert ihr, wenn sie sich den Verlust ihrer Kanzlermehrheit noch einmal in Ruhe durch den Kopf gehen lässt, dass sie mehr verloren hat als nur 11 Stimmen: Es kann gut sein, dass sie den Überblick verloren hat und damit die Kontrolle über ihre eigene Regierung. Angesichts der vielen Details, die für die am Freitag formal beschlossene Schuldenunion noch auszuhandeln sind, ist das keine gute Ausgangslage. Fast ist man versucht, das bekannte Bild von der „lahmen Ente“ (lame duck) zu bemühen, nach diesem bemerkenswerten Votum an einem Freitag, an dem über Berlin nicht nur meteorologisch heftige Gewitter zu registrieren waren.

Dienstag, 3. Juli 2012

Occupy : Offener Brief an die Bundestagsabgeordneten bezüglich Spekulation mit Nahrungsmitteln !


Sehr geehrte Bundestagsabgeordnete,
ich habe mich noch nie persönlich an Sie gewendet. Heute
allerdings habe ich ein Anliegen, das weder Aufschub noch
Zurückhaltung duldet. Es geht um Spekulation mit
Nahrungsmitteln, um Menschenrechte, um
Politikverständnis und um: Sie.
Ja, es sind mehr als nur ein paar Zeilen, die ich Sie bitte zu
lesen. Die Zeit, die Zeit! Ich weiß — aber ich denke, es ist
höchste Zeit, dass wir miteinander reden. Warum, das
werden Sie erkennen. Doch der Reihe nach:
Spekulation mit Nahrungsmitteln
Immer noch ist die Spekulation mit Nahrungsmitteln in
unserem Land offiziell legal. In den letzten Monaten gab es
zwar verschiedene Anträge im Bundestag zu dem Thema,
aber es war so wie immer: Sämtliche Anträge der Opposition
wurden abgelehnt.


Der anhängige Antrag aus den Reihen der
Regierungsfraktionen ist eher zurückhaltend und verweist
relativ unverbindlich auf die europäische Ebene. Eine
umgehende Klärung derart, dass Spekulation mit
Nahrungsmitteln in unserem Land auch nur eingedämmt
wird, ist nicht zu erwarten.
Meine Damen und Herren, ich verstehe das nicht. Die
Folgen dieser Spekulation muss ich Ihnen nicht erläutern.
Sie wissen, dass diese „Finanzprodukte“ Hunger und Tod in
die Welt bringen, dass wenige Menschen profitieren — auf
Kosten der Ärmsten.
Warum darf in unserem Land trotzdem nach wie vor mit
Nahrungsmitteln spekuliert werden?
1/6
Menschenrechte
Sie wissen ebenfalls, liebe Bundestagsabgeordnete, dass die
Bundesrepublik im Jahr 1973 den Internationalen Pakt
über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (UN-
Sozialpakt) ratifiziert hat. Darin verpflichtet sich die
Bundesrepublik Deutschland, das „grundlegende Recht
eines jeden, vor Hunger geschützt zu sein“ zu respektieren.
Es handelt sich bei dieser Regelung um ein Menschenrecht.
Durch den Handel mit „Finanzprodukten“, die auf
Spekulation mit Nahrungsmitteln basieren, wird in unserem
Land täglich gegen den UN-Sozialpakt verstoßen. Auch das
wissen Sie.
Keine politische Partei, kein Politiker sieht nach meiner
Wahrnehmung die Nahrungsmittelspekulation heute
gelassen oder verharmlost deren Auswirkungen über
Gebühr. Wir sind uns also im Großen und Ganzen einig:
Spekulation mit Nahrungsmitteln gehört zumindest
eingedämmt, denn sie ist mitverantwortlich für gestiegene
Nahrungsmittelpreise und somit den Hunger auf der Erde.
Prima: Konsens!
Warum sehe ich dann keine Ergebnisse? Aus welchem
Grund wird es in unserem Land trotzdem toleriert, dass
täglich gegen Menschenrechte verstoßen wird?
Sie
Im Rahmen der Petition gegen Spekulation mit
Nahrungsmitteln haben wir von Occupy:Occupy 50
Parteiorganisationen und Bundespolitiker zu diesem Thema
angefragt. Gerade mal zwölf haben geantwortet. Können Sie
mir das erklären?
Möglicherweise liegt hier der Knackpunkt: Sie und ich
haben ein unterschiedliches Verständnis von dem, was getan
werden muss. Also muss ich den Punkt erweitern auf:
Sie und ich — unterschiedliches Politikverständnis?
Lassen Sie mich die Situation einmal von einer anderen
Seite her angehen:
Sie sind meine Vertreter. Sie wollen und sollen sich um all
die Dinge kümmern, zu denen ich in meinem Leben nicht
komme. Nun, ich verstünde gerne, wie das genau ist mit der
Sozialversicherung, den Renten, den Steuern, dem
Straßenbau, den Krippenplätzen, der Lage in Syrien und all
den anderen Dingen, mit denen Sie sich täglich
beschäftigen.
Aber, wissen Sie: Ich kann das nicht alles bewältigen, denn ich
muss mich um meinen Lebensunterhalt kümmern. Da bleibt
einfach nicht genug Zeit, um diese vielen Themen zu verstehen.
2/6
Aus diesem Grund finde ich es eine gute Sache, dass wir
Volksvertreter wählen, die sich in die Materie einarbeiten,
die anstehenden Aufgaben erledigen, um das Beste für unser
Gemeinwesen zu erreichen. Sie sind einer dieser
Volksvertreter und nicht nur ich hoffe, dass Sie Ihre Arbeit
bestmöglich erledigen.
Unsere Gesellschaft stellt Ihnen enorme Mittel zur
Verfügung, damit Sie diese Aufgaben inhaltlich und formal
meistern können. Sie selbst sind zudem finanziell recht gut
abgesichert: Sie erhalten ganz ordentliche Bezüge und über
Ihre Altersvorsorge müssen Sie sich im Regelfall weit
weniger Sorgen machen als ich.
Ich finde, dass diese Aufgabenteilung eine gute Idee ist. Ich
meine sogar, dass sie eine ausgezeichnete Grundlage ist,
damit Sie Ihre Arbeit zumindest befriedigend erledigen
können, oder sehen Sie das anders?
Irgendwie fühle ich mich bei all dem auch als Ihr
Arbeitgeber, denn als Wähler habe ich Sie beauftragt, quasi
eingestellt, als Steuerzahler sorge ich für die finanzielle
Grundlage Ihrer Arbeit. Ich sehe mich also auch in der
Verantwortung dafür, dass Sie Ihre Arbeit gut machen. Ich
nehme an, das können Sie akzeptieren.
Meine Einschätzung
Nun habe ich in den letzten Monaten zumindest im Bereich
der Spekulation mit Nahrungsmitteln nicht das Gefühl, dass
Sie Ihre Arbeit ordnungsgemäß erledigen.
Ich sehe keine Taten, meine verehrten Volksvertreter. Ich
sehe Verweise auf die europäische Ebene, ich sehe
Fingerzeige auf den politischen Gegner, der nicht mitspielt.
Ich sehe, dass der andauernde Verstoß gegen
Menschenrechte weitgehend hingenommen wird.
Ich sehe keinen echten Willen, dieses Thema schnell und
vernünftig im Sinne Ihrer Auftraggeber — dem Souverän —
zu regeln.
Ihr Auftrag
Laut einer Forsa-Umfrage vom November 2011 lehnen 84 %
der Bundesbürger Spekulation mit Nahrungsmitteln ab. Ist
es eine falsche Wahrnehmung, wenn ich darin einen Auftrag
an den Bundestag sehe? Nehme ich da etwas verkehrt wahr?
Wie, verehrte Volksvertreter, können Sie es zulassen, dass
die Menschenrechte durch unser Land verletzt werden? Wie,
verehrte Volksvertreter, können Sie es zulassen, dass
aufgrund von Finanzprodukten, die in unserem Land auch
von deutschen Unternehmen angeboten werden, Menschen
hungern? Wie können Sie die Meinung von 84 % Ihrer
3/6
Auftraggeber ignorieren? Was ist Ihre Erklärung dafür?
Sie können nicht anders? Ihnen sind die Hände gebunden?
Die Entscheidungen werden ganz woanders gefällt? Sie sind
ja nur in der Opposition? Diese „Erklärungen“ höre und lese
ich immer wieder. Wissen Sie: Ich glaube das nicht.
Ich habe Sie beauftragt, die Geschicke unserer Gemeinschaft
zu lenken. Ich, als Ihr Auftraggeber, halte es für
unerträglich,
● dass aus unserem Land heraus durch Spekulation mit
Nahrungsmitteln Hunger und Tod verbreitet werden,
● dass Sie es zulassen, dass aus unserem Land heraus das
Menschenrecht auf Nahrung verletzt wird und
● dass Sie in dieser Frage weitgehend untätig sind.
Speziell Sie, die Mitglieder der gewählten Regierung,
sind verantwortlich dafür,
● dass der Missbrauch wirtschaftlicher Macht zu Lasten
der Ärmsten nicht eingedämmt wird und
● dass in unserem Land wissentlich und folgenlos gegen
grundlegende Menschenrechte verstoßen wird.
Und Sie, die Mitglieder der Opposition, sind
verantwortlich dafür, dass
● dieses Thema nicht massiv in die Medien getragen wird
und
● Sie der Regierung diese Untätigkeit durchgehen lassen.
Jede Fangruppe eines Fußballvereins hat mehr Phantasie als
Sie, liebe Opposition, wenn es darum geht, die mangelhaften
Leistungen ihrer Kicker anzuprangern. Kupfern Sie doch
einfach ab, wenn Ihnen nichts besseres einfällt:
Drehen Sie der Regierungsbank für die ersten zehn Minuten
einer Sitzung demonstrativ den Rücken zu (so Sie denn
anwesend sind). Bleiben Sie die ersten zehn Minuten vor dem
Bundestag und informieren Sie die Presse darüber, was die
Menschenrechte der Regierung unserer Republik wert sind.
Es reicht nicht, wenn einzelne Politiker aufstehen und einen
untragbaren Sachverhalt beklagen. Zeigen Sie Profil,
gemeinsam! Nutzen Sie die Macht, die Ihnen verliehen wurde!
Und ich?
Ich als Wähler habe nur geringe Einflussmöglichkeiten auf
Ihr Tun. Ich möchte trotzdem auf den hier dargelegten
Missstand hinweisen, denn es geht dabei nicht um eine
Nebensache, sondern um eine unerträgliche,
lebensbedrohende Praxis, die Sie zulassen.
4/6
Bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass ich mich schäme, in
einem Land zu leben, in dem es so viel Überfluss gibt — aber
keine verantwortungsvolle Regierung, die den hier
geschilderten und weitgehend unstrittigen Missbrauch
wirtschaftlicher Macht eindämmen will.
Ich schäme mich für unser gesamtes Parlament. Sie haben
alle Mittel, um etwas zu bewirken, um die Spekulation mit
Nahrungsmitteln und die davon ausgehenden
Menschenrechtsverletzungen zu beenden.
Wenn Sie das anders sehen, dann treten Sie zurück — denn
in diesem Fall ist unser Pakt hinfällig: Die Mittel, die wir
Bürger aufbringen, damit Sie unser Haus in Ordnung halten,
sind dann in den falschen Händen.
Was also tun?
Ich werde am 29. Juni 2012 um 14 Uhr vor dem
Reichstagsgebäude auf dem Platz der Republik sein. Dort
möchte ich Ihnen mehr als 25.000 Unterschriften von
Menschen übergeben, die Spekulation mit Nahrungsmitteln
ablehnen. Diese Unterschriften werde ich bis dahin in einem
Hungermarsch nach Berlin getragen haben.
Was Sie in dieser Sache tun werden, hängt bis zur nächsten
Wahl natürlich von Ihnen ab. Vielleicht konnte ich Ihnen
mit diesem Brief aber einen Denkanstoß geben?
Mit freundlichem Gruß
Frank Jermann, Völzberg
Über den Hungermarsch
Details auf der Webseite von Occupy:Occupy
http://occupy-occupy.de/hungermarsch/
Über die Petition
Occupy:Occupy und die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung
(KAB) haben fast zeitgleich zwei Petitionen gegen Spekulation
mit Nahrungsmitteln hervorgebracht. Da diese Petitionen
inhaltlich identische Forderungen stellen, habe die
Organisationen frühzeitig ein gemeinsames Vorgehen und eine
Partnerschaft beschlossen.
In der dreimonatigen Laufzeit haben mehr als 12.000
Menschen die Petition aus dem Occupy-Umfeld
unterzeichnet. Noch mehr Unterschriften konnte die KAB
sammeln. Bis zum 15. Juni werden wir also mehr als 25.000
Unterschriften gesammelt haben.
5/6
Petition von O:O
http://occupy-occupy.de/die-petition/
Petitionsseite der KAB
http://www.kab-bamberg.de/kab/lebensmittelspekulation.html
Über Occupy:Occupy
Die im Internet vernetzte Gruppe Occupy:Occupy ist eine
Privatinitiative. Sie vereint Menschen aus der ganzen
Bundesrepublik. Die Gruppe ist politisch unabhängig. Sie
finanziert sich selbst und wird nicht durch eine Partei oder
eine durch Parteien gestützte Organisation finanziell
unterstützt. Spenden werden weder gesammelt noch
akzeptiert.
Im Internet ist die Gruppe mit einem eigenen Web-Auftritt
zu finden: http://occupy-occupy.de/6/6

Goodbye Bargeld ! ! ! Reportage 3sat

Montag, 2. Juli 2012

Der ESM, seine Ursachen und seine grausamen Folgen: die Bankendiktatur beginnt


VON EIFELPHILOSOPH ⋅ 2. JULI 2012 ⋅ SCHREIBE EINEN KOMMENTAR
TAGS: BANKENKARTELL, DEMOKRATIE, DIKTATUR, ESM, ETHIK, RUANDA, VERFASSUNG, VÖLKERMORD


Montag, 2.7.2012. Eifel. Der erste Arbeitstag in postdemokratischen Verhältnissen – aber wir dürfen nicht darüber reden, das empört die Parlamentarier. Immerhin will keiner die Verantwortung für die sozialen Schrecken übernehmen, die jetzt folgen werden. Ist wie “früher” (aber auch das hören die Parlament-Arier nicht gerne): den Hitler hat auch keiner gewählt und an die Macht gebracht, das Deutsche Volk bestand aus einem geschlossenen Block von Widerstandskämpfern, die alle dicht vor der Hinrichtung standen. Man kennt die Systematik also schon. Die Medien sind sich der Dramatik der Ereignisse bewußt – Spiegel-online zum Beispiel, das meistgelesene politische Onlineportal bringt heute erstmal nach Seitenaufruf drei Artikel über Fußball, es folgt einer über türkische Querelen an der Grenze zu Syrien und die Leidensgeschichte von zwei Familienhelfern im Auftrage des Jugendamtes. Signalwirkung: alles ist bestens in Ordnung, wir haben Zeit für Marginalien. Ist ja auch sonst nichts weiter passiert – außer, das wir in Zukunft die Verfügungsgewalt über all unser Geld unangreifbaren Gouverneuren einer internationalen Finanzorganisation übertragen, die nach Belieben hochdodierte Mitarbeiter einstellen können – und schon kann man erahnen, mit welchen Methoden der Deutsche Bundestag auf Kurs gebracht wurde: es winken wieder lukrative Pöstchen mit leistungslosem Spitzeneinkommen. Da wird er schnell schwach, der deutsche Abgeordnete.

Viele wird das jetzt nicht interessieren. Es ist zwar in Deutschland noch nicht so schlimm wie in Griechenland, wo die zwei Drittel der Bevölkerung dank der weisen Politik internationaler Finanzorganisationen unterhalb der Armutsgrenze leben, aber viel Geld, das man noch klauen kann, haben die meisten, die Zeit haben, Zeitungen zu lesen, sowieso nicht mehr. Vielleicht hilft da eine kleine Geschichte aus den USA (unserem großen Vorbildland), um unsere Zukunft etwas greifbarer zu machen? Bitte schön, Quelle: Yahoo.

In den USA machen jetzt ganz neue Gepflogenheiten die Runde. Da musste doch tatsächlich eine Mutter die Straßenreinigung bezahlen, weil eine betrunkene Idiotin dort ihren Sohn über den Haufen gefahren hat. Gut – uns Deutsche erschrickt das jetzt nicht wirklich: immerhin müssen wir unser Eigenheim, unsere Sparverträge und Altersvorsoge aufbrauchen, wenn der Konzern nach Ablauf der Staatshilfen lieber in Rumänien weiterproduziert, wo neue EU-Hilfen winken, aber ich hoffe, es reicht, um zu illustrieren, was geschieht, wenn der Staat kein Geld mehr hat, weil er alles nach Brüssel schicken muss.

Das der DAX explodierte, ist kein Wunder. Mit nur ein paar geschmierten Mitarbeitern in entscheidender Position ist es in Zukunft möglich, jeglichen Ramsch an den Mann zu bringen – finanziert durch Kredite, die letztlich der Steuerzahler bezahlt. Panzer, U-Boote, Flugzeuge – nur her damit, die “Waffenrepublik Deutschland” verkauft gern auf Pump an jedermann, wenn nur der deutsche Steuerzahler letztlich dafür aufkommt. Luxusautos für den parlamentarischen Fahrdienst? Schon gebongt. Neue, hochriskante Finanzprodukte? Schon in Arbeit, leistungsloses Einkommen auf Halbgottniveau wird jetzt ganz schnell möglich dank der Spendenbereitschaft Deutschlands, einem Land, das gerne seine sozialen Gemeinschaftsleistungen zusammenstreicht, wenn es gilt, asoziale Millionärsvermögen zu schonen.

Pünktlich zur Öffnung der Geldschleusen findet auch Frankreich ein größeres Loch im Staatshaushalt – wen überrascht das noch? Jetzt, wo die ganz große “Bazooka” herausgeholt wurde, wird die Zahl der Notleidenden sich deutlich erhöhen. Seltsam, das die Prinzipien, die für jeden deutschen Arbeitslosen gelten, keine Rolle spielen, wenn es um das ganz große Geld geht: hier wäre es undenkbar, das man alle Ansprüche der Globalisierungsopfer an Unterhaltungselektronik und Mobilität berücksichtigt – aber bei den großen Banken sieht das anders aus, die haben ein “Schonvermögen”, von denen man den deutschen Sozialstaat mehrfach finanzieren könnte – auf ganz anderem Niveau.

Der Grund für den Unterschied?

Arbeitslose vergeben keine Jobs an ausrangierte Politiker.

Dort, wo die Jobs aber im Angebot stehen, stört es nicht weiter, das hier demokratiefreie Räume entstehen, in denen ein demokratiefernes Direktorium den Erpressungen der Bankenwelt hilflos ausgeliefert ist. Man versteht auf einmal, warum die ihre rechtliche “Immunität” brauchen.

Das wir als deutsche Bürger zahlen – wie auch die Italiener, Spanier, Franzosen, Griechen, Portugiesen, Zyprioten, Belgier, Holländer, Griechen und sonstige Europäer – ist alternativlos. Der Grund dafür ist schnell gefunden: unsere Leistungelite hat uns als Volk in eine Situation hineinmanövriert, die nicht mehr zu beherrschen ist. Das erkennen die “Märkte” … und ziehen sich schon mal mit guten Gründen aus den deutschen Staatsanleihen zurück, siehe Bazonline

«Wir erwarten, dass Deutschland seine Rolle als sicherer Hafen verlieren wird», sagte der Deutschlandchef der Allianz-Tochter, Andrew Bosomworth, der «Wirtschaftswoche».

Auf das Land kämen unabsehbare Lasten zu: «Überlebt die Eurozone, was wir hoffen und erwarten, zahlt Deutschland über Rettungsschirme und Euro-Bonds. Zerfällt sie, muss es Geld für die Bewältigung der folgenden Rezession und die Rettung von Banken ausgeben.»

Kurz: wir sind so oder so im Eimer … und folgen damit Zypern, das vor kurzem noch Haushaltsüberschüsse produzierte, jetzt aber recht hinterlistig unter den Rettungsschirm gezwungen wurde, siehe Nachdenkseiten, die zudem einen denkwürdigen Spruch bringen, an den wir uns alle noch oft erinnern werden:

Wo Brüssel regiert, gibt es bald keine blühenden Landschaften mehr.

Wer da noch Fragen hat, sollte sich mal in seinem Alltag umschauen. Viele Familien merken gerade, das Brüssel teuer wird, weil all die kleinen lieben Kinder nun einen eigenen Reisepass brauchen, Kostenpunkt: 37,95 Euro. Oder schauen wir nach den Männern, die nach einem harten Arbeitsleben in der Regel recht früh verscheiden, während ihre Frauen locker noch mal zehn Jahre drauflegen: ab dem 21. 12. 2012 müssen sie die gleichen “Unisex”-Tarife zahlen wir Frauen (ich nehme an, das meinten die Maya mit dem “Weltuntergang”). Auf die Idee, mal eine Angleichung nach unten zu machen, kommt da erst gar keiner.

“Brüssel” wird zum Synonym für “teuer” und “alternativlos”, ein bequemes Wort, mit dem sich alle Sozialkürzungen der nächsten Jahre locker durchstehen lassen: “Brüssel” sagt einfach alles, mit “Brüssel” lässt sich alles rechtfertigen … wenn zum Beispiel Hartz IV im Sinne der “unisozial”-Gesetzgebung an griechisches Niveau angepasst wird und wir hier auch gar nichts mehr bekommen, wenn die Zockerbanken unsere Realwirtschaft völlig ruiniert und Brüssel uns völlig ausgesogen hat.

Natürlich kann man vermuten: das ist jetzt alles übertrieben. Die Kritiker des ESM, die jetzt (siehe z.B. Süddeutsche) Verfassungklage gegen das Monster eingelegt haben, verstehen die Komplexität der internationalen Finanzmärkte einfach nicht und können den Segen, den der ESM darstellt, nicht erkennen.

Wer dieser Meinung ist, der sollte sich mal in der Welt genau das Timing anschauen, mit dem der ESM “durchgepaukt” wurde, ich zitiere:

22.30 Uhr: So spät hat keine Bundesratssitzung seit 1950 begonnen. Doch auch die Länderkammer muss jetzt noch debattieren und über die Gesetze abstimmen. Denn sie hat auf die üblichen Fristen verzichtet, damit der Fiskalpakt zum 1. Juli in Kraft treten kann. Fünf Minuten vor Mitternacht erfolgt die Zustimmung.

Wie man sieht, war alles generalstabsmässig geplant. 1,5 Stunden hatte die Länderkammer Zeit, über das Schicksal Deutschlands zu entscheiden. Schon im Vorfeld hatte sie auf die üblichen Fristen verzichtet … und wartete geduldig auf des Votum der Abgeordneten. So eilig sind sonst nur Bankräuber.

Dazu passt, das Madame Merkel die deutsche Verfassung öfter ignoriert als jeder ihrer Vorgänger (siehe Freitag) und sich zunehmend als Erfüllungsgehilfe jener anonymen “Märkte” versteht, für die sie das deutsche Volk auf Euronorm zurechtstutzt, damit es “marktkonform” ist.

Was “marktkonform” heißt?

Der Bürger muss lassen, was die Rendite stört: Alter, Krankheit, Kinder … das alles muss weg. Aber was rede ich: jeder, der noch einen jener immer seltener werdenden ordentlichen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze hat, weiß, wie lange dieser Arbeitsplatz eine längere Krankheitsphase übersteht … oder den fünfzigsten Geburtstag.

Die Märkte selbst aber haben gerade heute wieder gezeigt, von welchem Kaliber sie sind, siehe Handelsblatt:

Mervyn King, der Chef der Bank of England, nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht, seiner Wut über die Finanzbranche Ausdruck zu verleihen: “Ich denke, dass inzwischen jeder verstanden hat, dass mit den Banken etwas sehr schiefgegangen ist, und wir dringend einen echten Kulturwandel brauchen.”

Der Hintergrund? Eine jener 1-A-erste-Klasse-Verschwörungen, die es nach offizielle Lesart nur bei Verschwörungstheoretikern gibt:

Rund um den Globus gehen die Regulierer dem Verdacht nach, dass ein Kartell internationaler Banken über Jahre hinweg den globalen Interbanken-Zinssatz Libor manipuliert haben soll.

In die Ermittlungen sind etwa 20 Banken verstrickt, neben Instituten wie der Schweizer UBS und der Royal Bank of Scotland auch die Deutsche Bank.

Man wird noch merken, das die ominöse und oft kritisierte Geburtstagsfeier von Deutsche-Bank-Chef Ackermann im Kanzleramt ein Arbeitsgespräch war – mit Dienstanweisungen für die Kanzlerin, die mit ihrer braven DDR-Vergangenheit den mit allen Wassern gewaschenen Bankern nicht im Mindesten gewachsen ist.

Aber gerade deshalb ist sie ja Kanzlerin geworden – mit den gleichen vielfältigen Methoden ins Amt geschoben, wie die Abgeordneten jetzt auf Kurs gebracht worden sind. Das “Fraktionszwang” ein Wort ist, das in einer Demokratie eigentlich gar nichts zu suchen hat, sollte man wenigstens nebenbei nochmal erwähnen.

Das dieses “Kartell von Banken” auch die Eurokrise inszeniert hat, um mal so richtig abzuräumen, wird wohl erst im nächsten Jahrhundert in den Geschichtsbüchern stehen, dann werden wir dort vielleicht auch zu lesen bekommen, wie der 11.9.2001 mithilfe gerade dieses Bankenkartells inszeniert wurde, um den Dritten Weltkrieg einzuleiten.

Und wer weiß – vielleicht fällt dann auch auf, das “Banken” und “Weltkriege” auf unheimliche Art und Weise zusammenhängen … wie der Muslim-Markt aktuell anmerkt.

Das moralische und ethische Niveau des Bankenkartells gleicht auf jedem Fall dem einer beliebigen Clique von Straßenräubern, wie der aktuelle Fall wieder aufzeigt, weshalb damit zu rechnen ist, das sie vor keiner sozialen Graumsamkeit zurückschrecken werden, um an “ihr” Geld zu kommen … “ihr” Geld, das eigentlich unseres ist.

Mit dem ESM haben sie auf jeden Fall das erste Instrument geschaffen, um direkt politische Macht über den Geldbeutel auf den bürgerlichen Alltag auszuüben.

Zur Erinnerung: in Ruanda hatten sie damals die Macheten geliefert, mit denen dann die brutalen Massaker durchgeführt wurden. Als “zivile Waren” deklariert wurden sie an den Waffenkontrollen gezielt vorbeigeschleust, um den Völkermord überhaupt erstmal möglich zu machen (sieh Global Brutal, Chossudovsky, Zweitausendeins 2002, Seite 132).

Mit solchen Aktionen werden wir in Zukunft auch rechnen müssen.

Vielleicht ist schon ein solches Programm in Planung, um Menschen zu entsorgen, die wegen körperlicher Defizite wie “Alter” nicht marktkonform sind?

An wen liefert man dann die Macheten in Deutschland?

An RTL-Zuschauer?

Zuzutrauen wäre es denen.

Freitag, 29. Juni 2012

Aktion: Gelbe Karte für Merkel für Blockade bei Korruptionsbekämpfung



Die Regierung Merkel verweigert mehr Transparenz bei Parteispenden und schärfere Regeln gegen Korruption. Der Europarat hat sie deshalb verwarnt und Merkel eine letzte Frist bis zum 30. Juni gesetzt. Mit Ihrer Unterschrift können wir Angela Merkel dazu bringen, endlich ihre Blockade bei Parteispenden und Korruptionsbekämpfung zu beenden. Unterschreiben Sie jetzt unseren Appell an Angela Merkel !

Die Staatengruppe gegen Korruption des Europarats verlangt bis zum 30. Juni einen Bericht darüber, wie seine Empfehlungen zur Korruptionsbekämpfung umgesetzt werden sollen. Wir wollen die Gelegenheit nutzen und der Bundeskanzlerin klarmachen, dass sie endlich wirksame Regeln zur Abgeordnetenbestechung und mehr Transparenz bei Parteispenden einführen muss.
Ihre Daten werden wir in einer Aktion an Angela Merkel überreichen. Eine langfristige Speicherung erfolgt nur, wenn Sie unseren Newsletter bestellen. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben.


Hintergrund zu unserer Unterschriftenaktion


Bereits 2009 hatte die Staatengruppe gegen Korruption des Europarats (GRECO) 20 Empfehlungen zur Korruptionsbekämpfung und Parteienfinanzierung an Deutschland gerichtet. Unter anderem hatte GRECO empfohlen, die Offenlegungsgrenzen bei Parteispenden zu senken, die unabhängige Prüfung der Rechenschaftsberichte der Parteien zu stärken und eine schnellere Berichtspflicht für Spenden in Wahlkampfzeiten einzuführen. Das wäre ein wichtiger Schritt, weil die Öffentlichkeit bisher erst lange nach den Wahlen erfährt, wer welche Partei im Wahlkampf unterstützt hat. In der Korruptionsbekämpfung geht es insbesondere um die Verschärfung der Abgeordnetenbestechung. Deutschland hat als eines von wenigen Ländern weltweit weder die UN-Konvention gegen Korruption (UNCAC) ratifiziert, noch das Strafrechtsübereinkommen über Korruption des Europarats.


Letzte Frist für mehr Tansparenz und Korruptionsbekämpfung
Die Frist zur Umsetzung der Empfehlungen lief Mitte letzten Jahres ab. Laut GRECO wurden lediglich vier der Empfehlungen zufriedenstellend umgesetzt. Selbst in der diplomatischen Sprache des Europarat-Gremiums klingt die Kritik deutlich. GRECO betont, “dass der sehr geringe Grad der Erfüllung der Empfehlungen als ‘allgemein unbefriedigend’ [...] anzusehen ist.” Deutschland wurde nochmals eine Frist bis zum 30. Juni 2012 eingeräumt, um den Empfehlungen nachzukommen. Wird auch diese Frist gerissen, kann GRECO eine hochrangige Kommission nach Deutschland schicken, um vor Ort auf die Umsetzung der Empfehlungen zu drängen.


Die Bundesregierung mauert
Es sieht momentan nicht so aus, als würde die schwarz-gelbe Koalition vor Ablauf der Frist auch nur eine weitere Empfehlung des Europarats umsetzen. Auf Anfragen an die zuständigen Ministerien und Ausschüsse haben wir keine qualifizierte Antwort erhalten, welche weiteren Schritte geplant sind. Erst am 27. Juni wird sich der Innenausschuss nach Informationen von LobbyControl mit dem Thema beschäftigen. Deshalb machen wir nun mit der Aktion bis Ende Juni Druck dafür, dass Angela Merkel und ihre Regierungskoalition sich zur Umsetzung der Empfehlungen durchringen.


Merkel in der Pflicht – jetzt Druck machen
Angela Merkel ignoriert das Thema trotz mehrerer Parteispenden- und Sponsoring-Affären in den letzten Jahren. Ihre Tatenlosigkeit ist der Nährboden für die nächsten Skandale. Unterzeichnen Sie daher jetzt den Appell und zeigen Sie Frau Merkel die Gelbe Karte.


Damit Merkel unseren Protest auch sieht, werden wir nach Berlin fahren und ihr die Gelbe Karte in groß zeigen – mit all Ihren Unterschriften. Je mehr Menschen die Petition unterschreiben, desto deutlicher zeigen wir Merkel, was wir von Ihrer Blockade halten, und desto schwieriger wird es für sie, das Thema zu ignorieren.

Machen Sie jetzt mit und schützen Sie somit unsere Demokratie !